Gruppe F ist wohl eine der offensten Gruppen des gesamten Turniers. Die Niederlande gehen als Favorit ins Rennen, haben aber einen echten Rückschlag einstecken müssen: In der Offensive fehlt durch die Verletzung von Xavi Simons ein echter Unterschiedsspieler. Japan schlug bei der WM 2022 Deutschland und Spanien in der Gruppenphase. Die Samurai Blue sind also ein ernstzunehmender Konkurrent. Schweden hat mit Gyökeres und Isak zwei Top-Stürmer aus der Premier League, wackelte aber schon in der Qualifikation. Und Tunesien gilt zwar als Außenseiter, ist aber keineswegs eine Mannschaft, die sich kampflos geschlagen gibt.
Oranje ist gesetzt: Der Kader rund um Van Dijk, De Jong und Gakpo hat schlicht mehr individuelle Klasse als die Konkurrenz. Dahinter wird es interessant: Japan und Schweden trennen nur Nuancen, beide haben das Potenzial für Platz zwei. Die Samurai Blue kommen mit einer beeindruckenden Qualifikationsbilanz, Schweden mit zwei der besten Stürmer Europas. Tunesien hofft auf ein Wunder und hat in der Vergangenheit schon bewiesen, wie unangenehm sie zu bespielen sind.
Schweden
Die Qualifikation war alles andere als souverän: Schweden wurde Gruppenletzter, sodass nur der Gruppensieg in der Nations-League den Weg in die Playoffs öffnete. Dort bezwang man erst die Ukraine und dann Polen. Trainer Graham Potter setzt auf Teamgeist und Kompaktheit. Die entscheidende Frage ist, ob Isak und Gyökeres rechtzeitig in die Spur finden: Isak kommt nach einer langen Verletzungspause ins Turnier, Gyökeres stößt wegen des Champions-League-Finals mit Arsenal erst verspätet zur Mannschaft.
Japan
Als erstes Team weltweit löste Japan das WM-Ticket 2026, und das mit 30:3 Toren in der asiatischen Qualifikation. Japan hat eine Generation, die quer durch Europas Topligen ausgebildet wurde. Sechs Bundesligaprofis stehen im nominierten Kader, darunter Hiroki Ito vom FC Bayern und Ritsu Doan von Eintracht Frankfurt. Das Viertelfinale, das Japan noch nie erreicht hat, dürfte also das Ziel sein. Allerdings haben die Japaner einen schmerzhaften Ausfall zu verkraften: Kaoru Mitoma, einer der besten Flügelspieler des Kaders, fehlt verletzungsbedingt.
Niederlande
Dreimal stand die Niederlande im WM-Finale (1974, 1978 und 2010) und dreimal fuhren sie ohne Titel nach Hause. Trainer Ronald Koeman setzt auf eine bewährte Mischung: Virgil van Dijk als defensives Fundament, Frenkie de Jong als Taktgeber im Mittelfeld und Cody Gakpo als offensive Waffe. Die Qualität ist da, aber die Frage ist, ob Oranje in den entscheidenden Momenten auch die nötige Abgezocktheit mitbringt. In engen K.o.-Spielen fehlt dem Team seit Jahren ein echter Unterschiedsspieler im Abschluss.
Tunesien
Tunesien ist bei seinen sechs WM-Teilnahmen nie über die Gruppenphase hinausgekommen. Sie sind in Gruppe F der Außenseiter, daran lassen die Quoten keinen Zweifel. Doch die Nordafrikaner sind für ihre defensive Disziplin bekannt und haben bei vergangenen WM-Turnieren immer wieder starke Auftritte hingelegt. Das neue Format, bei dem auch die acht besten Gruppendritten ins Achtelfinale einziehen, eröffnet Tunesien die bislang größte Chance, erstmals die K.-o.-Runde zu erreichen.