Einen glasklaren Favoriten gibt es in Gruppe D nicht, und das macht sie zu einer der spannendsten Vorrundengruppen des gesamten Turniers. Gastgeber USA will mit dem Heimvorteil und einer der talentiertesten Generationen ganz oben mitmischen. Die Türkei meldet sich nach 24 Jahren WM-Abstinenz zurück und bringt womöglich den gefährlichsten Offensivkader mit. Paraguay kehrt nach 16 Jahren Pause auf die Weltbühne zurück und sollte nicht unterschätzt werden. Australien scheint der vermeintliche Underdog zu sein, aber auch die Socceroos haben in der jüngeren Vergangenheit bewiesen, dass man sie niemals abschreiben darf.
Auf dem Papier sind die USA und die Türkei die Kandidaten für die ersten beiden Plätze. Doch die Ausgangslage ist offener als bei vielen anderen Gruppen. Die Amerikaner genießen zwar den Heimvorteil, doch die Vorbereitung lief nicht reibungslos: Trainer Pochettino muss einige Baustellen bis zum Turnierauftakt schließen. Die Türkei wiederum hat mit Çalhanoğlu, Arda Güler und Kenan Yıldız eine Offensivreihe, die jede Abwehr in Schwierigkeiten bringen kann. Paraguay und Australien sind alles andere als chancenlos: Im 48-Teams-Format mit Gruppendritten, die weiterkommen, kämpfen alle vier Mannschaften bis zum Schluss.
Australien
Die Socceroos sind seit 2006 bei jeder WM dabei und haben zuletzt in Katar 2022 gezeigt, was möglich ist: Dänemark und Tunesien wurden besiegt, erst der spätere Weltmeister Argentinien stoppte die Australier im Achtelfinale. Trainer Tony Popovic übernahm das Team mitten in einer Krise, verlor danach kein einziges Qualifikationsspiel mehr und führte Australien als Gruppenzweiter ins Turnier. Mit Torhüter Mathew Ryan als zuverlässigen Rückhalt und Jackson Irvine als Motor im Mittelfeld hat Australien eine funktionierende Einheit. Die Gruppe ist hart, aber unterschätzen sollte man die Socceroos auf alle Fälle nicht.
USA
Als Co-Gastgeber gehen die USA mit einem klaren Auftrag ins Turnier: Die letzten drei WM-Teilnahmen endeten jeweils im Achtelfinale, doch das soll sich 2026 ändern. Im eigenen Land soll nun mindestens der Sprung unter die Top Acht gelingen. Unter Trainer Mauricio Pochettino setzt das Team auf Pressing und schnelles Umschaltspiel. Mit einem in Europas Topligen verankerten Kader um Kapitän Pulisic, McKennie und Adams ist die Erwartungshaltung im eigenen Land enorm. Genau das könnte sowohl Fluch als auch Segen sein.
Türkei
24 Jahre Wartezeit und dann diese spektakuläre Rückkehr. Die Türkei qualifizierte sich über die europäischen Playoffs, bezwang Rumänien im Halbfinale und den Kosovo im Finale jeweils mit 1:0. Der 21-jährige Real-Madrid-Star Arda Güler ist das kreative Herz dieser Mannschaft, flankiert von Kenan Yıldız (Juventus) und Kapitän Hakan Çalhanoğlu (Inter Mailand). Bei der EM 2024 erreichte die Türkei das Viertelfinale. Die K.-o.-Runde bei der WM ist das nächste Ziel dieser goldenen Generation.
Paraguay
Nach 16-jähriger Abstinenz sind die Albirroja zurück. Unter Trainer Gustavo Alfaro zeigte Paraguay in der CONMEBOL-Qualifikation, was in dieser Mannschaft steckt: Siege gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay. So wurden die großen Namen des Kontinents allesamt bezwungen. Paraguay ist nicht für spektakulären Fußball bekannt, aber ein durchaus unangenehmer Gegner. Defensive Kompaktheit und physische Härte sind die Markenzeichen von Paraguay. Das beste Ergebnis in der Geschichte bleibt das Viertelfinale 2010, als man erst in der Schlussphase gegen den späteren Weltmeister Spanien unterlag.