Auf dem Papier hat die Gruppe C der WM 2026 einen klaren Favoriten: Brasilien. Die Seleção ist unter Startrainer Carlo Ancelotti aber nicht nur ein heißer Anwärter auf Platz eins in der Gruppe, sondern auch auf den WM-Titel. Doch dahinter ist die Lage sehr eng. Marokko hat 2022 gezeigt, was der afrikanische Fußball leisten kann, und kommt jetzt mit hungrigem Kader. Schottland feiert nach 28 Jahren WM-Abstinenz ein emotionales Comeback und will beweisen, dass es mehr als nur lautstarke Fans zu bieten hat. Und Haiti? Die Karibiknation ist der klare Außenseiter. Aber schon die bloße Teilnahme ist für dieses Land ein echtes Highlight.
Brasilien ist gesetzt: die Frage ist nicht ob, sondern mit wie vielen Punkten die Brasilianer ins Sechzehntelfinale kommen. Dahinter liefern sich Marokko und Schottland ein enges Duell um Platz zwei. Die Marokkaner bringen mehr individuelle Klasse mit, die Schotten dagegen ein kompaktes System und enorme Leidenschaft. Für Haiti geht es darum, das Turnier würdevoll zu bestreiten und dabei wäre ein Punkt schon eine kleine Sensation.
Marokko
Was Marokko 2022 in Katar vollbracht hat, gehört zu den größten WM-Überraschungen der Geschichte: Als erste afrikanische Nation überhaupt ins Halbfinale einzuziehen, war eine außergewöhnliche Leistung, die den Fußballkontinent elektrisiert hat. Seitdem sind die Erwartungen gewachsen. In der afrikanischen Qualifikation gewann Marokko alle acht Spiele. Mit Achraf Hakimi als Führungsspieler und einem Kader, der quer durch Europas Topligen besetzt ist, geht Marokko als ernsthafter Kandidat auf Platz zwei in die Gruppe. Der Trainer-Wechsel kurz vor dem Turnier könnte jedoch für Unruhe sorgen.
Brasilien
Fünf WM-Titel, 23 Turniere in Folge dabei und dennoch trägt Brasilien seit 2002 einen Stachel im Herzen: Seitdem wartet die Seleção auf den ersehnten sechsten Stern. Mit Carlo Ancelotti übernimmt erstmals ein ausländischer Trainer das Ruder bei der brasilianischen Nationalmannschaft: ein historischer Schritt. Ancelotti bringt Champions-League-DNA mit und kennt Schlüsselspieler wie Vinicius Júnior und Rodrygo aus seiner Zeit bei Real Madrid in- und auswendig. Die Qualifikation verlief mit Platz fünf in Südamerika holprig, doch die individuelle Klasse ist unbestritten. Der Titel ist das Ziel.
Haiti
Haiti hat sich in seiner CONCACAF-Qualifikationsgruppe gegen Honduras und Costa Rica durchgesetzt und kehrt damit erstmals seit 1974 zu einer Weltmeisterschaft zurück. Damals schied man in Deutschland in der Vorrunde aus. Das war auch die einzige WM-Teilnahme der Nation bis heute. Für Haiti bedeutet dieses Turnier weit mehr als Fußball: Das Land kämpft seit Jahren mit politischen und humanitären Krisen. Die Qualifikation ist ein seltener Lichtblick für eine zerrissene Nation und jeder Punkt auf dem Platz wird gefeiert wie der Titel.
Schottland
28 Jahre Wartezeit auf eine WM-Teilnahme und dann dieser Abend im Hampden Park: Im letzten Gruppenspiel erzielten die Schotten in der Nachspielzeit die zwei Siegtreffer und qualifizierten sich damit für die WM. Für die Tartan Army ist somit allein die Teilnahme ein Fest. Trainer Steve Clarke hat aus dem Team eine taktisch disziplinierte Einheit geformt. Mit Spielern, wie Robertson, McTominay und Gilmour soll nun erstmal die Gruppenphase überstanden werden. Denn beim neunten Anlauf stehen die Chancen so gut wie nie: Im neuen 48-Teams-Format kommen auch die acht besten Gruppendritte weiter, was Schottland den Weg in die K.o.-Runde weit öffnet.